Juliane-Alessia Merkel und Fabian Flückiger | Publiziert am 22. Juli 2025.
Textilpflanzen als Motor der Ökonomischen Aufklärung
Wissensgeschichte der Textilpflanzen
Die Auseinandersetzung mit Flachs, Hanf und Baumwolle im 18. Jahrhundert steht im Zusammenhang mit dem Wandel agrarischer Wissens- und Ordnungssysteme. Die sogenannte Ökonomische Aufklärung verfolgte das Ziel, landwirtschaftliche Erkenntnisse systematisch zu erfassen und im Sinne wirtschaftlicher Effizienz nutzbar zu machen (Popplow 2010: S. 9-10). Marcus Popplow beschreibt diese Zeit als «Innovationskultur», in der Pflanzen zunehmend unter einem wirtschaftlich-technischen Nutzenaspekt betrachtet wurden. Er verweist dabei auf Günter Bayerls Begriff eines «technisch-ökonomischen Blicks» auf das Naturreich, der in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts eine neue Sichtweise auf natürliche Ressourcen prägte. Neben gelehrten Sozietäten spielten auch Zeitschriften, Akademien und Verwaltungsakteure eine zentrale Rolle bei der Organisation und Verbreitung dieses Pflanzenwissens (Popplow, 2010: S. 11-13). Am Beispiel von Flachs, Hanf und Baumwolle lässt sich nachvollziehen, wie dieses Wissen konkret Anwendung fand.
Flachs (Linum usitatissimum) war im 18. Jahrhundert die wichtigste Faserpflanze Mitteleuropas. In der Nordostschweiz, etwa in St. Gallen oder dem Thurgau, wurde er unter strengen Qualitätsvorgaben für die Leinwandproduktion angebaut (Irniger/Kühn 1997: S. 109-110). Flachs war jedoch nicht nur als Faserpflanze von Bedeutung. Seine Samen wurden auch zur Ölgewinnung, als Nahrungsmittel und in der Medizin verwendet. Der Anbau erfolgte vor allem in Regionen mit gemässigtem, feuchtem Klima. Es wurden verschiedene Sorten wie Sommerlein, Winterlein und Springlein kultiviert, die sich unter anderem im Reifungsprozess und in der Faserqualität unterschieden (Körber-Grohne 1987: S. 366-369).
Die Verarbeitung von Flachs war arbeitsintensiv und umfasste mehrere Schritte wie Rösten, Brechen, Hecheln und Spinnen. Diese Arbeiten wurden in vielen Regionen überwiegend von Frauen übernommen. Dabei zogen sie die Fasern durch grobe und feine Hecheln und stellten daraus Garne verschiedener Qualität her, so die sogenannte Riste für feines Garn, Kuder und Abwerch für einfachere Zwecke. Die Tätigkeit war eng mit der bäuerlichen Hauswirtschaft verbunden und beruhte auf überliefertem Erfahrungswissen (Irniger/Kühn 1997: S. 108).
Hanf (Cannabis sativa) war im Vergleich zu Flachs robuster und selbstverträglich, d. h., er konnte über mehrere Jahre auf derselben Fläche angebaut werden. Er wuchs besonders gut auf kalk- und humusreichen Böden, beispielsweise in Flusstälern. Seine grosse Wuchshöhe unterdrückte Unkraut, was ihn pflegeleicht machte. Hanf wurde zur Herstellung von Seilen, Segeln, Fischernetzen und groben Stoffen verwendet, da seine Fasern besonders reissfest und wasserresistent waren. Auch hier lag die Verarbeitung, vom Ausraufen bis zum Spinnen, meist in weiblicher Hand. Der durchschnittliche Arbeitsaufwand für eine Juchart (früheres Ackermass) Hanf wurde mit rund 100 Tagen angesetzt (Irniger/Kühn 1997: S. 103-109).
Baumwolle (Gossypium) konnte im mitteleuropäischen Klima nicht angebaut werden und wurde im 18. Jahrhundert über Handelswege, etwa aus Ägypten oder Surinam, in die Schweiz importiert. In Regionen wie dem Aargau, Glarnerland und Appenzellerland entwickelte sich daraufhin eine eigenständige Baumwollverarbeitung, die stark auf Heimarbeit beruhte und schrittweise die traditionelle Leinwandproduktion ablöste (Tanner 2015). Eine zeitgenössische Rezension aus dem hallerNet-Korpus verweist auf die Herkunft der Baumwolle und vergleicht surinamische mit levantischer Ware. Ein Beleg dafür, dass Baumwolle zur damaligen Zeit aus verschiedenen Weltregionen in die Schweiz eingeführt wurde (GGA, 25. September 1777).
Neben der gelehrten Wissensproduktion spielte auch das regional gebundene Erfahrungswissen eine wichtige Rolle. Autoren wie Tschiffeli, Koch und Tscharner, Mitglieder der Oekonomischen Gesellschaft Bern, beschrieben konkrete Probleme im Flachs- und Hanfanbau, etwa Schädlingsbefall, Bodenbedingungen oder Saatgutfragen. Besonders häufig wurde die Qualität von Saatgut diskutiert. Leinsamen aus Riga galten beispielsweise als besonders hochwertig, lieferten jedoch nur unter bestimmten klimatischen Bedingungen vergleichbare Ergebnisse (Gerber-Visser 2017: S. 151-155).
Samplebildung
Um das enorm umfangreiche Quellenkorpus von Hallers über 9'000 Rezensionen sinnvoll nach Daten zum Thema der Textilpflanzen zu untersuchen, galt es zunächst diesen einzugrenzen. Zu diesem Zweck filterten wir das Sample und die darin enthaltenen Rezensionen mittels Volltextsuche nach den Schlagwörtern «Flachs», «Hanf» und «Baumwolle», was ein deutlich übersichtlicheres, aber noch immer hunderte Rezensionen umfassendes Sample ergab. Die Schlagwörter wurden so ausgesucht, da es sich bei ihnen um die gängigsten Textilpflanzen der Frühen Neuzeit handelt und die Erwähnung derselben in fast jedem Kontext unser Thema zumindest tangiert. So fallen zum Beispiel auch botanische Beschriebe oder Berichte über die medizinische Bedeutung der Pflanzen unter den breiten Kontext der Textilpflanzen. Eine Problematik, auf die wir dabei stiessen, war das Schlagwort «Leinen», welches wir zunächst ebenso in das Sample einfliessen lassen wollten. Es stellte sich jedoch schnell heraus, dass es verglichen mit den übrigen Schlagwörtern disproportional viele Rezensionen mit der Erwähnung von Leinen gibt. Für den gesamten Zeitraum von Hallers Schaffen lassen sich nur 139 Rezensionen zu Flachs finden, dagegen aber im selben Zeitraum 1358 zu Leinen. Diese starke Diskrepanz resultiert daraus, dass Leinen wohl zu den grundlegendsten Materialien und Werkstoffen der Frühen Neuzeit gezählt werden kann und so in fast jedem Kontext Erwähnung findet, etwa in der Medizin, in der Kunst, im Kriegswesen, in der Schifffahrt etc. Dabei handelt es sich allerdings nur äusserst selten um die Textilpflanze und nicht den bereits verarbeiteten Leinenstoff. Deshalb beschlossen wir, «Leinen» nicht als Schlagwort zur Bildung unseres Samples zu verwenden und stattdessen mit dem oft Synonym gebrauchten «Flachs» vorlieb zu nehmen, der häufiger im Zusammenhang mit der Pflanze und deren Anbau erwähnt wird.
Das von uns erstellte Sample bildet das Grundgerüst für die in den nachfolgenden Abschnitten aufgeführten Untersuchungen und Interpretationsansätze der Rezensionen Hallers zu Textilpflanzen. In einem ersten Schritt wenden wir uns den Rezensionen in absoluten Zahlen zu, wie sich die Niederschrift dieser zeitlich verteilt, ob es dabei Auffälligkeiten gibt und wie dies mit Hinblick auf die gesellschaftliche Entwicklung, insbesondere die fortschreitende Ökonomische Aufklärung, zu interpretieren ist. Danach widmen wir uns dem Sozialen Milieu der Verfasser der von Haller rezensierten Werke, d.h. welchen Hintergrund hatten diese Autoren? Handelte es sich, mit Blick auf das Thema, vermehrt um Personen mit Bezug zur Landwirtschaft? Oder aber entstammten diese eher gehobeneren Bevölkerungsschichten, wie der Geistlichkeit, Magistraten oder Gelehrten? Anzumerken ist hier, dass die Rezensionen im Sample des Öfteren keine Verfasserzuweisung enthalten. Diese unbekannten Verfasser lassen sich zumeist dennoch mithilfe der Metadaten oder dem Rezensionstext ermitteln. Das Nachtragen aller unbekannter Verfasser hätte allerdings den Rahmen dieser Arbeit gesprengt, weshalb wir uns bei der Analyse des Sozialen Milieus auf die im Datensatz angegeben Verfasser beschränkt haben.
Die Rezensionen in Zahlen
Im Laufe seines Lebens verfasste Haller gesamthaft 336 Rezensionen, die Texte behandelten, welche sich mit Textilpflanzen befassten. Diese Zahl umschliesst alle von uns verwendeten Schlagwörter. Schlüsselt man diesen Wert auf, sind es 139 Rezensionen zu Flachs, 102 zu Hanf und 95 zu Baumwolle. Betrachtet man nun die zeitliche Verteilung der Publikation dieser Werke, wie in Abb. 2 dargestellt, fällt schnell auf, dass die Anzahl von Rezensionen, die Textilpflanzen beinhalten, im Laufe von Hallers Schaffen deutlich zunahm. Daraus resultiert die Frage, ob während Hallers Lebzeiten zunehmend mehr über Textilpflanzen geschrieben wurde, oder aber diese Zunahme anderweitig erklärt werden muss, etwa mit einer allgemeinen Zunahme von Hallers verfassten Rezensionen. Zu diesem Zweck lohnt es sich, die Grafik mit einer Darstellung von Hallers Gesamtwerk an Rezensionen zu vergleichen (vgl. Abb. 3). Es wird ersichtlich, dass der Anteil an Rezensionen zu Textilpflanzen sich im späteren Schaffen Hallers mit einer allgemeinen Zunahme rezensierter Werke deckt. Auffallend jedoch sind die ersten Jahre, in denen Haller Rezensionen publizierte. Hier decken sich die Grafiken nicht. So publizierte Haller zwischen 1745 und 1750 gesamthaft 1303 Rezensionen, wovon nur 10 Textilpflanzen behandelten, ein deutlich kleinerer Anteil als im gesamten übrigen Werk Hallers.
Dieser Umstand deckt sich auch mit den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen dieser Zeit. Wie zuvor erwähnt entstand im Rahmen der Ökonomischen Aufklärung, etwa ab Mitte des 18. Jahrhunderts ein zunehmendes Interesse an Agrarwissen und Mittel zur Verbesserung der Landwirtschaft. Diese Reformbemühungen beinhalteten natürlich auch eine Auseinandersetzung mit den gängigen Textilpflanzen, die für die Wirtschaft dieser Zeit von hoher Bedeutung waren. Sehr deutlich zeigt sich dies etwa am Beispiel von Hallers Heimatort Bern. Obschon durch das Aufkommen der Baumwollweberei in Konkurrenz geraten, blieben der Anbau von Flachs und Hanf ebenso wie die Herstellung von heimischen Leinen- und Hanfstoffen wirtschaftlich äusserst bedeutsam. So machte der Export von Hanf- und Leinenstoff 1775 noch 41 Prozent aller exportierten Güter Berns nach Frankreich aus und stellte damit das wichtigste einzelne Exportgut der Republik dar (Bergier 1990: S. 174-176). Dementsprechend gross war das Interesse an einer möglichen Verbesserung oder Expansion des Anbaus dieser Textilpflanzen.
Baumwolle konnte temperaturbedingt im Raum der heutigen Schweiz nicht angebaut werden, sondern musste, entweder in Rohform oder bereits zu Stoffbahnen verarbeitet, importiert werden. Im Gegensatz dazu standen Flachs und Hanf, die beide seit Jahrhunderten in der Schweiz angebaut wurden, allerdings mehrheitlich für den Eigengebrauch der Bevölkerung und nur sekundär für den Export. Mit Beginn des 18. Jahrhunderts nahm das Interesse an diesen heimischen Textilpflanzen immer weiter zu, dabei rückten vor allem Möglichkeiten zur Optimierung des Anbaus in den Fokus. Eine erhöhte Produktion sollte so die Bedürfnisse der wachsenden Textilindustrie decken sowie die Exportmenge der Stoffe erhöhen. Für den Raum Bern bemühte sich besonders die Oekonomische Gesellschaft Bern, der auch Albrecht von Haller angehörte, um eine Intensivierung des Anbaus dieser heimischen Textilpflanzen. Die Oekonomische Gesellschaft setzte beispielsweise zwischen 1763 und 1780 zwanzig Mal Geldprämien aus, welche für Ideen zur Verbesserung des Flachsanbaus oder dessen Verarbeitung ausgezahlt wurden (Gerber-Visser 2012: S. 212-213).
Dieses steigende ökonomische Interesse an Textilpflanzen widerspiegelt sich in zahlreichen Rezensionen Hallers, zum Beispiel in der Rezension einer Publikation der Oekonomischen Gesellschaft Bern von 1763 (GGA, 31. Oktober 1763). In dieser behandelt Haller einen Text von Johann Rudolf Tschiffeli, einem Mitbegründer der OeG Bern, in welchem dieser Überlegungen zum Berner Import und Export von Stoffen präsentiert und seine Pläne erläutert, aus Holland Leinsamen zu importieren und diesen grossflächig anzubauen.
Soziales Milieu der Verfasser
Ein Blick auf die sozialen Hintergründe der Verfasser weist darauf hin, welche gesellschaftlichen Gruppen sich besonders intensiv mit Textilpflanzen befassten. In den beiden Balkendiagrammen zeigt sich eine ähnliche, aber nicht identische Verteilung der sozialen Milieus. Das erste Diagramm umfasst 7'338 Rezensionen (vgl. Abb. 4). Am stärksten vertreten ist darin die Ärzteschaft, gefolgt von der Wissenschaft, den Privatiers, der Geistlichkeit, der Verwaltung und der freischaffenden Intelligenz. Das zweite Diagramm (vgl. Abb. 5) bezieht sich ausschliesslich auf Rezensionen zu den Textilpflanzen Flachs, Hanf und Baumwolle und zeigt eine leicht verschobene Verteilung. Hier steht das wissenschaftliche Milieu an erster Stelle, gefolgt von der Ärzteschaft, der Verwaltung, den Privatiers und der Geistlichkeit. In beiden Darstellungen wurden Rezensionen ohne Angabe eines sozialen Milieus sowie Milieus mit sehr geringer Fallzahl nicht berücksichtigt, um die Lesbarkeit und Vergleichbarkeit zu verbessern. Weitere soziale Gruppen sind ebenfalls in beiden Diagrammen enthalten, werden in diesem Text aber nicht im Detail behandelt, da der Fokus auf den zahlenmässig stärksten und inhaltlich besonders relevanten Milieus liegt.
Diese Verteilung lässt sich im Kern mit Marcus Popplows Analyse zur ökonomischen Aufklärung verbinden. Laut Popplow wurde im Laufe des 18. Jahrhunderts zunehmend versucht, natürliche Ressourcen gezielt unter wirtschaftlich-technischen Gesichtspunkten zu erfassen und nutzbar zu machen. Ein Wandel, der die Wissensproduktion nachhaltig prägte. Sie verlagerte sich verstärkt in Sozietäten, Akademien, Zeitschriften und verwaltungsnahe Institutionen, in denen theoretisches und praxisbezogenes Wissen systematisch erarbeitet wurde (Popplow 2010: S. 11-13). Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung lässt sich nachvollziehen, dass gerade beim Wissen über wirtschaftlich relevante Kulturpflanzen wie Flachs, Hanf und Baumwolle das wissenschaftliche Milieu eine dominierende Rolle einnimmt.
Dies zeigt sich exemplarisch in einer Rezension aus dem wissenschaftlichen Milieu. Dort wird diskutiert, welche Pflanzen sich für die Bepflanzung entwässerter Sumpfgebiete eignen. Neben Erlen, Weiden und Rhabarber wird auch weisser Flachs als geeignet genannt. Allerdings wird kritisch angemerkt, dass auf dem Land oft nicht genügend Arbeitskräfte verfügbar sind, um solche «Spekulationen» umzusetzen. Diese Perspektive verdeutlicht den systematischen, planerischen Zugang zur Natur, wie er für das gelehrte Milieu jener Zeit typisch war (GGA, 8. Februar 1777).
Auch aus dem ärztlichen Umfeld liegen mehrere Rezensionen vor, die das breite Interesse an pflanzenbasiertem Wissen belegen. So wird in einer Rezension der Flachssamen als «vortrefflich» gegen Seitenstich und Grimmen, also bei Brust- und Unterleibsschmerzen, empfohlen (GGA, 4. April 1763). In einer weiteren Rezension wird Flachs als Nahrungsquelle für Bienen beschrieben, die zwar Honig, aber keinen Wachs liefern (GGA, 21. April 1770). Auch abgekochter Hanfsamen wurde in einem medizinischen Fall als Hausmittel gegen Gelbsucht verwendet. Solche Beispiele verdeutlichen, dass Textilpflanzen nicht nur als Rohstoffe, sondern auch als Bestandteil der Erfahrungsmedizin eine Rolle spielten (GGA, 2. Oktober 1773).
In diesem Zusammenhang verdient zudem das soziale Milieu der Verwaltung und der Privatiers Beachtung. In Verwaltungszusammenhängen, etwa innerhalb ökonomischer Sozietäten oder durch agrarpolitische Massnahmen, wurde Naturwissen aktiv mobilisiert und verbreitet. Popplow betont, dass wirtschaftliche Verbesserungen häufig von staatlichen Stellen angestossen wurden. Die Gruppe der Privatiers, also gebildete Gutsbesitzer oder bürgerliche Naturkundler, war ebenfalls stark vertreten. Sie verfassten praktische Berichte und Empfehlungen, die von Eigeninteresse und dem Wunsch getragen waren, als aufgeklärte Akteure wahrgenommen zu werden (Popplow 2010: S. 9, 24).
Alles in allem zeigen die Diagramme, dass vor allem die Milieus der Wissenschaft, der Ärzteschaft, der Verwaltung und der gebildeten Laien, also jene Gruppen, die Popplow auch theoretisch als Träger der Wissensproduktion beschreibt, massgeblichen Einfluss auf die schriftliche Auseinandersetzung mit Textilpflanzen hatten. Sie alle trugen auf unterschiedliche Weise dazu bei, dass sich eine neue Wissensordnung herausbildete, in der Pflanzen zunehmend als wirtschaftlich nutzbare Ressourcen verstanden wurden.
Fazit
In den Daten zum zeitlichen Entstehen von Hallers Rezensionen zum Thema der Textilpflanzen lässt sich durchaus ein zunehmendes Interesse an diesen feststellen. Dies deckt sich mit dem Konzept der Ökonomischen Aufklärung und deren Bestreben einer Verbesserung der landwirtschaftlichen Praktiken und höheren wirtschaftlichen Erträgen. Wie oben aufgeführt, zeigt sich dies sehr deutlich am Beispiel der Schweiz, vor allem Berns. Die Texte der Ökonomischen Gesellschaft Bern, der Haller ebenfalls angehörte, gewähren tiefreichende Einblicke in die wirtschaftlichen Überlegungen dieser Zeit. Die Textilpflanzen, die in der Schweiz angebaut werden konnten, dienten hier als ein zentraler Motor wirtschaftlichen Fortschrittes, da sowohl die frühe Form der Industrialisierung, wie auch die ländliche Verlagsarbeit von diesem Rohstoff abhängig waren. Daraus resultierte eine zunehmende Bedeutung und Auseinandersetzung mit den Pflanzen als ein wirtschaftliches Gut.
Quellenverzeichnis
- Albrecht von Haller über Roncalli Parolino (1761) in den GGA, 4. April 1763, Digitale Edition der Rezensionen Albrecht von Hallers, hallerNet 2018-2023, https://hallernet.org/edition/review/00549.
- Albrecht von Haller über Abhandlungen der OeG Bern (von 1760 bis >1800) in den GGA, 31. Oktober 1763, Digitale Edition der Rezensionen Albrecht von Hallers, hallerNet 2018-2023, https://hallernet.org/edition/review/00768.
- Albrecht von Haller über Hagström (1768) in den GGA, 21. April 1770, Digitale Edition der Rezensionen Albrecht von Hallers, hallerNet 2018-2023, https://hallernet.org/edition/review/03092.
- Albrecht von Haller über Buchan (1772) in den GGA, 2. Oktober 1773, Digitale Edition der Rezensionen Albrecht von Hallers, hallerNet 2018-2023, https://hallernet.org/edition/review/04814.
- Albrecht von Haller über Gadd (1773-75) in den GGA, 8. Februar 1777, Digitale Edition der Rezensionen Albrecht von Hallers, hallerNet 2018-2023, https://hallernet.org/edition/review/06476.
- Albrecht von Haller über Linné (1761-77) in den GGA, 25. September 1777, Digitale Edition der Rezensionen Albrecht von Hallers, hallerNet 2018-2023, https://hallernet.org/edition/review/06390.
Literaturverzeichnis
- Bergier, Jean-François: Wirtschaftsgeschichte der Schweiz: Von den Anfängen bis zur Gegenwart, Zürich 1990.
- Gerber-Visser, Gerrendina: Die Ressourcen des Landes: Der ökonomisch-patriotische Blick in den Topographischen Beschreibungen der Oekonomischen Gesellschaft Bern (1759-1855), Bern 2012.
- Gerber-Visser, Gerrendina: Hanf – Flachs – Brennnessel: Wie die Oekonomische Gesellschaft Bern die Kultur der Textilpflanzen förderte , in: Boscani Leoni, Simona; Stuber, Martin (Hg.): Wer das Gras wachsen hört. Wissensgeschichte(n) der pflanzlichen Ressourcen vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert (Jahrbuch für Geschichte des ländlichen Raumes 2017), Innsbruck 2017, S. 151-167.
- Irniger, Margrit; Kühn, Marlu: Hanf und Flachs: Ein traditioneller Rohstoff in der Wirtschaft des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit, in: Traverse: Zeitschrift für Geschichte 4 (1997), S. 100-115, DOI: https://doi.org/10.5169/SEALS-13232.
- Körber-Grohne, Udelgard: Nutzpflanzen in Deutschland: Kulturgeschichte und Biologie, Stuttgart 1987.
- Popplow, Marcus (2010): Die Ökonomische Aufklärung als Innovationskultur des 18. Jahrhunderts zur optimierten Nutzung natürlicher Ressourcen, in Popplow, Marcus (Hg.): Landschaften agrarisch-ökonomischen Wissens: Strategien innovativer Ressourcennutzung in Zeitschriften und Sozietäten des 18. Jahrhunderts, München 2010, S. 3-48.
- Tanner, Albert: Baumwolle, in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 20.03.2015, https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/013961/2015-03-20/.
Bildnachweis
- Abb. 1: Blackwell, Elisabeth; Trew, Christoph Jakob (Hg.): Vermehrtes und verbessertes Blackwellisches Kräuterbuch. Nürnberg, 1750.