Chronologie Freuler

πŸ“œ HISTORIE   πŸ“– FIKTION
1593
Geburt als Sohn von Hauptmann Christoph Freuler.
 
 
 
1613
Eintritt als Fähnrich in die Kompanie Gallati.
 
 
 
02.1614
Unterdrückung von Unruhen in der Bretagne.
 
 
 
1616
Beförderung zum Leutnant im Garderegiment.
 
 
 
24.04.1617
Ludwig XIII. übernimmt die Regierung.
 
 
 
1618
Heirat mit Margareta Hässi.
 
 
 
02.07.1619
Ernennung zum Hauptmann der Gardekompanie.
 
 
 
11.1621
Belagerung von Montauban.
 
 
 
1622-1626
Stationierung des Regiments in den Vorstädten.
 
 
 
10.1628
Teilnahme an der Belagerung von La Rochelle.
 
 
 
06.1630
Krieg gegen Savoyen und Spanien.
 
 
 
09.1633
Belagerung und Einnahme der Stadt Nancy.
 
 
 
15.07.1635
Ernennung zum Oberst durch Ludwig XIII.
 
 
 
15.01.1637
Aufnahme in den Ausschuss der Häupter.
 
 
 
02.03.1637
Kauf der Alp Oberteil am Bärenstich.
 
 
 
05.05.1637
Erhebung in den Adelsstand durch Ludwig XIII.
 
 
 
 
 
 
05.1637
Entschluss, einen Palast für den König zu bauen.
🎧 Roman-Szene: Freulers Sorgen
„...den König von Frankreich zu behausen, war eine Anforderung, die er mit den Wohnräumen seines Herrensitzes nicht erfüllen konnte.“ (S. 10, 16)
β“˜ Historischer Hinweis

Ein Königsbesuch in der Alten Eidgenossenschaft ist nicht dokumentiert und hätte in der Frühen Neuzeit ohnehin eine Ausnahme dargestellt. Stattdessen unterhielt die französische Krone eine nahezu durchgehend präsente diplomatische Vertretung mit dem Rang eines Ambassadors in Solothurn. Umgekehrt bestand eine solche kontinuierliche diplomatische Präsenz von eidgenössischer Seite in Frankreich nicht.

(Affolter, Andreas: Verhandeln mit Republiken. Wien/Köln/Weimar 2017, S. 204)

 
 
 
07.1637
Architekt Fries unterbreitet Baupläne.
 
 
 
03.1638
Wassereinbruch im Baugrund; Rückkehr nach Frankreich.
 
 
 
1638/1639
Freuler schiesst Sold aus eigener Tasche vor.
10.1639
Schenkung einer Dublone an die Schützen.
 
 
 
08.1640
Belagerung von Arras. Sohn Fridolin wird verwundet.
 
 
 
30.11.1640
Tod der ersten Ehefrau Margareta Hässi.
 
 
 
1641
Historisch belegte zweite Ehe mit Anna Reding von Biberegg.
 
 
 
02.1641
Gesandter des Standes Glarus bei der Tagsatzung in Solothurn (Begrüssung des Botschafters Camartin).
 
 
 
1642
Beginn des Baus des Freulerpalasts.
 
 
 
 
 
 
12.1642
Begegnung mit der Waise Agathe Goetti.
🎧 Roman-Szene: Begegnung mit Agathe
„Die Vielumworbene hatte bis zur Stunde jede Annäherung abgelehnt. Geliebt und verwöhnt von allen Insassen des Schlosses, eine Bachstelze im Gang.“ (S. 76-77)
30.01.1643
Rechtfertigung wegen Unfalls von Jörg Nägeli.
 
 
 
 
 
 
02.03.1643
Trauung mit Agathe Goetti in Chur.
 
 
 
04.04.1643
Hochzeitsfeier mit Agathe am Tag der Schlachtfeier.
14.05.1643
Tod Ludwigs XIII.; Sofortige Abreise.
 
 
 
 
 
 
1644
Tod Agathes bei der Geburt eines Kindes.
1646
Verleihung des Ritterordens St. Michael.
 
 
 
 
 
 
09.1647
Heirat mit Anna Reding (im Roman die 3. Ehe). Kuraufenthalt im Stadhof.
01.02.1648
Beschwerdebrief wegen Soldzahlungen.
 
 
 
14.02.1648
Königlicher Zahlungsbeschluss.
 
 
 
27.08.1648
Schutz von Kardinal Mazarin (Fronde).
 
 
 
 
 
 
1648
Auslösung der verpfändeten Kronjuwelen.
 
 
 
03.1649
Konflikt um Loyalität während der Tagsatzung.
🎧 Roman-Szene: Tagsatzung
„Ich möchte jetzt wissen, Oberst Freuler, ob Ihr ein Schweizer oder ein Franzose seid?“ (S. 348)
β“˜ Historischer Hinweis

Die Tagsatzung war ein föderaler Gesandtenkongress und das Kommunikationszentrum der Alten Eidgenossenschaft, deren Kernfunktionen in der Koordination örtlicher Interessen, der politischen Mediation von Konflikten, der diplomatischen Kommunikation mit fremden Mächten sowie der gemeinsamen Verwaltung von Gemeinen Herrschaften bestanden.

Vor diesem institutionellen Hintergrund ist auch die Stellung Freulers zu verorten. Seine Tätigkeit bewegte sich in einem Spannungsfeld zwischen unterschiedlichen politischen Ebenen und Loyalitäten. Dabei lässt sich seine Position als eine Zwischenform von „Agent“ und „Broker“ beschreiben, da er einerseits im Auftrag handelte, andererseits aber auch über eigenständige Vermittlungsräume verfügte. Gleichzeitig zeigt sich eine Ambivalenz zwischen kollektiv gebundenem Handeln und individuellen Handlungsspielräumen.

(Flückiger: Agent oder Broker)
(Gysel: Fehlendes Geld)
(Affolter, Andreas: Verhandeln mit Republiken. Die französisch-eidgenössischen Beziehungen im frühen 18. Jahrhundert, Wien/Köln/Weimar 2017, S. 238–243)
(Würgler, Andreas: Die Tagsatzung der Eidgenossen. Politik, Kommunikation und Symbolik einer repräsentativen Institution im europäischen Kontext (1470–1798), Ependorf 2013)

 
 
 
04.1651
Ruf der Königin zum Schutz des Dauphins.
04.11.1651
Tod Freulers.
 
 
04.11.1651
Tod durch Gewalteinwirkung (Romanversion).
🎧 Roman-Szene: Freulers Tod
„Mit einer breiten langgestielten Sense weit ausholend, schlug er dem Obersten das Eisen in den Rücken …“ (S. 352)
β“˜ Historischer Hinweis

Der Opferdiskurs um Kaspar Freuler in Carl Friedrich Wiegands Roman „Das Opfer des Kaspar Freuler“ steht im Kontext des völkisch-nationalistischen Denkens der Zwischenkriegszeit, in dem ein Selbstopfer als heroischer und quasi-religiöser Akt überhöht wird. Dieses Ideal wird im Roman jedoch ambivalent dargestellt, da Freulers Tod sinnlos und folgenlos bleibt. Damit wird die ideologische Überhöhung teilweise unterlaufen. Parallel dazu wird die Geschichte durch schweizerische Helvetismus-Ideale ergänzt, die nationale Identität und Unabhängigkeit unkritisch verherrlichen.

(Streim, Gregor: Die ‘deutsche Passion’. Der heroische Opferdiskurs in der völkisch-nationalistischen Literatur der Zwischenkriegszeit, in: Hermes, Stefan; MuhiΔ‡, Amir (Hg.): Täter als Opfer? Deutschsprachige Literatur zu Krieg und Vertreibung im 20. Jh., Hamburg 2007, S. 129–148, hier S. 129–134)
(Sandberg, Beatrice: Geistige Landesverteidigung (1933–1945), in: Peter Rusterholz; Andreas Solbach (Hg.): Schweizer Literaturgeschichte, Stuttgart 2007, S. 208–240, hier S. 218)