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Resultate und Diskussion

Bereits bei den "Wortwolken" der Protokolle im nord- und süddeutschen Raum sind interessante Ergebnisse herausgekommen, bei denen man auf dem ersten Blick wesentliche Unterschiede erkennen kann. So stechen bei der Wortwolke von Meldorf (1618) zum Beispiel Worte wie hedde, ock, dat usw. heraus, bei jender von Günzburg (1613) hingegen Worte wie ain, ob, nit, das...grundsätzlich versteht man eher die Worte von Günzburg, was darauf zurückzuführen ist, dass im Hexenprozess von Meldorf (1618) großer niederdeutscher Einfluss vorhanden ist. 

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Nach einer genauerer Analyse aller vier Texte (Günzburg, München, Flensburg, Meldorf) konnten wir einige wiederkehrende sprachlichen Unterschiede zwischen den Prozessprotokollen aus Nord- und Süddeutschland feststellen, die in der folgenden Tabelle dargestellt werden:

Norddeutschland (Flensburg, Meldorf)

Süddeutschland (Günzburg, München)

hebbe (F: Z. 13; Me: Z. 92)

habe (G: Z. 20, Mü: Z. 25)

dat (Me: Z. 21) / Datt (F: Z. 18)

das (G: Z. 7, Mü: Z. 79)

maken (u.a. F: Z. 127; Me: Z. 76)

machen (Mü: Z. 62)

Husfrouwe (F: Z. 99)

hausfraw (G: Z. 138)

kopp[e] (Me.: Z. 26)

kopff[kißen] (G: Z. 54)

sick (u.a. F: Z. 16; Me: Z. 15)

sich (u.a. Mü: Z. 15; G: Z. 18)

Pinlich (F: Z. 9) / pinlig (Me: Z. 4)

Peinlich[e] (Mü: Z. 93; G: Z. 193)

darup (F: Z. 144, Me: Z. 10)

darauf (G: Z. 78) / auf (Mü: Z. 32)

ein (F: Z. 12, Me: Z. 10)

ain (G: Z. 46, Mü: Z. 101)

[Gefängnis]

gefencknus (Mü: Z. 60)

nicht (F: Z. 67, Me: Z. 27)

nit (G: Z. 6) / nitt (Mü: Z. 17)

Diese Unterschiede sind auf Unterschiede zwischen dem Nieder- und Oberdeutschen zurückzuführen, die auf der Seite Ergebnisse aus der Literaturrecherche angeführt werden:

Ergebnisse aus der Literaturrecherche

Herausforderungen bei der Analyse

Zunächst hatten wir Schwierigkeiten, passende Literatur zu finden, daher haben wir einige Stunden mit dem Durchforsten vielfältiger Fachliteratur verbracht, bis wir schlussendlich einige passende Stellen in den Werken gefunden haben. Wir haben eine Art 'Bottom-up' Recherche gemacht und zuerst Auffälligkeiten herausgesucht und dann erst passende Informationen aus der Literatur. Effizienter wäre es wahrscheinlich umkehrt gewesen, da wir dann zielgerichteter vorgehen können hätten. 

Fazit und Ausblick

Wie erwartet, sind deutliche sprachliche Unterschiede zwischen den Regionen erkennbar. Wir haben uns in der vorliegenden Arbeit jedoch nur mit rein sprachlichen Elementen beschäftigt, in weiteren Analysen könnten eventuelle Zusammenhänge mit soziokulturellen Aspekten herausgearbeitet werden. Auch auf individuelle Unterschiede zwischen den einzelnen Schreibern könnte Rücksicht genommen werden, hierfür wäre allerdings ein genaueres Studium der Schreibenden notwendig. Klar ist eines: Hexenprozesse und deren Protokolle bleiben weiterhin ein spannendes Thema, bei dem es viel zu entdecken gibt und über das die ein oder andere Bachelor- oder Masterarbeit geschrieben werden könnte!