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Familie Reuter

        

Brief von Carl Reuter (15.10.36) Brief von Andreas Reuter (18.11.37)

Hammer be Oberndorf, den 15tn Okt. 1836

Lieber Bruder!

Endlich nach langem Hoffen, und Harren erhielten wir den 2tn Okt. deinen Brief. Gleich im Anfang dieses Briefs se es Dir gesagt, daß es nicht schön ist von Euch, daß ihr so quallvollen Besorgnißen, um Eure Wahl uns preis gebt. Denn auch der Andreas läßt nichts mehr von sich höhren seit 1½ Jahr. Wie oft haben wir uns schon darüber besprochen was es nur sein möchte, daß ihr so lange nicht schreibt, und uns in allen nur möglichen Muthmaßungen erschöpft. Wenn ihr bedächtet, welchen innigen Antheil wir an Eurem Wohlergehen nehmen, und wie sehr wir Euch alles Gute gönnen und wünschen, und daß 2 Jahre (denn so lange ist es daß Du das letzte mal schriebst) in so weiter Entfernung hinreichend sind diese Besorgniße zurechtfertigen, so würdet ihr uns nicht wieder so lange auf Briefe warten lassen. Vom Andres weiß man besonders nicht was man denken soll, weil er die Sanne mit ihrem Kinde so in Stich setzt; Unserer Vermuthung nach hat er wieder eine andre Liebschaft angesponnen, durch welche er jetzt nicht weiß was er thun soll, und so lieber nichts von sich hören läßt. Ich und jeder hätte geglaubt, ihr würdet Eüch stets einander Nachricht ge¬ben, und von dem jedesmaligen AufenhaltOrt, Nachricht geben. aus einander schreiben. //

Klara Brechauer, war ja auch in Pitzburg in Dinsten, ist aber jetzt wahrscheinlich bey ihrem Onkel Andreas, dessen Adresse ich hir befüge. Die Nächste bedeutente Stadt ist Detroit am Fluße gleichen Namens. Du kannst dich aber doch nach ihr erkundigen, vielleicht ist Sie noch Da. Wenn Du des [Limperts] besuchst so grüße mir alle aufs herzlichste. Du bist nun auch fre vom Milletär, Fritz hat vor Dich gelooßt und hat ein hohes Numro gezogen, und deinen Los¬schein erhalten. Die Schwester Anna Marichen hat nach Aschaffenburg geherathet, welches Du vielleicht noch nicht weist. Ihr Mann heist Grün, ist ein Schreiner, er war Witwer mit 3 schon erwachsenen Kindern. Der allste ist schon 3 Jahr in der Fremde und heist Heinrich. Das 2te ist ein Mädchen von 17 Jahren Namens Maria. Der Jüngste auch ein Sohn, heist Adam wird auch ein schreiner Es geht ihr sonst gut, und Sie ist auch zufrieden. Ihre Therese ist der Zeit recht groß und geschikt geworden. In diesem Jahr ist auch August Schäfer von Schlüchtern, und seine Mutter gestorben. Übrigens sind noch alle in der Verwandschaft gesund, und wohl. Nur die Hanna von Hüllrisch ist auch gestorben. Carl Weigand ist in München und wird Landschaftsmaler. Daß der Onkel von Münden vor 2 Jahren gestorben ist wird Du wohl wißen. Auch Herr Forstkontrollär ging voriges Jahr mit Tod ab. Sonst ist noch alles bem Alten. Und unsre Haüslichn Verhältniße sind noch in jeder Beziehung dieselben, und ich kann Dir in dieser Hinsicht keine erfreüliche Aussichten eröffnen. Über Ursache, und einzelne Dedails darüber einzugehen, würde zu langweilig werden. Solches ist auch der Grund daß der Fritz vor einigen Tagen weg ging nach dem [Neuschmeister] Werke um da zu arbeiten, und auch das nächste Früh¬jahr nach Amerika reissen will, worüber Du jedoch zuvörderst noch schreiben sollst, jedoch nicht wie voriges Jahr der Andres die Sache mit Stillschweigen übergehen, sonst wäre schon dieses Jahr Einer von uns beiden gekoen. //

Es ist sehr gut daß ihr nicht auch noch hir seid, denn wir sind doch alle auf uns selbst angewiesen. Schon oft haben wir Euch glüklich geprisen, und gewiß ihr seid es auch, wenigstens im Betracht gegen uns, die Zeit her gewessen. So habt ihr doch etwas erworben das ihr Euer nennen könnt, allein was habe ich? So ich doch die Arbeit schwer am längsten gethan habe, doch dem se wie ihm wolle, wie werden sehen wie es bis Nächsten Fühling werden wird, schreibe nur bald wieder recht ausführlich, und erkundige dich auch recht angelegentlich um den Andres, und sage ihm ich wäre recht ungehalten auf ihn, daß er so saumselige wäre im Briefschreiben, wo ich ihm doch immer pünktlich und ausführlich geantwortet hätte, und wir alle hätten solches nicht um Euch verdient. Er solle aber warten bis er wieder einen Brief von mir erhielte.––. Kasper Limpert hat auch die Röhrigs Familie drin auf¬gefunden in Ohio, sind alle wohlhabende in Nähe besaen wohnende = Geschwister. Vatter Michel hat dieses Jahr einen neuern Bau bebaut auf dem Selig seinem Aker der nach dem Dorf zuliegt. Wir haben die 3 Jahre hindurch ier kleine [Wasser], daß jedesmal nur Ein Feüer gehen kann. Es wird jetzt schon 2 Jahr [Kleingefrischt] welches viel vortheilhafter ist. Gesund sind wir seither ier gewessen, welches unser einziges Glük ist. Einige Tage später.––. Dieser Tage kam auch einer von Amerika retour nach Burgsinn, er heist Steinbeck und ist so lange weg wie Du. Er ist Schloßer arbeitete aber in Philadelpia als Büchsenmacher.––. Kasper Limpert ist auch Willens nächstes Jahr mit einem amerikanischen Vetter herauszukoen ?????? Gewiß lieber Bruder wäre es uns allen sehr lieb wenn ihr einmal kämt, besonders der Mutter, Die sich wegen Dir schon sehr bekummerte, doch ihr müßt das am besten wißen was dabe zu bedenken ist. Versäumniß, Kosten am Ende doch wieder der Abschied. Sonst stehen Dir keine Hinderniße im Wege. In 2 Jahren auch kann sich vieles ändern, wir schreiben uns noch darüber. //

Schlißlich erinnere ich nochmals, daß Du Dich weges Andres erkundigst, ¬daß er sich äusern soll wie er gesonnen ist, wegen der Sanne, damit Sie weiß woran sie ist, daß aber auf jeden Fall das Kind versorgt werden muß mit einem Theil seines Vermögens. Lebe wohl und schreibe bald wieder. Dein aufrichtiger Bruder Carl Reuter.

NB: Es grüßen Dich Alle. //

[Briefumschlag] Herrn Ludwig Reuter

in

Pitzburg. Pennsilvanien

Nordamerika.

geht über Frankreich. //

[am linken Rand der ersten Seite:] Von hir machten dieses Jahr wieder nach amerika Johannes Freund, Freund Baptist Schreiber. Süßbauers Familie von Paffenhausen, und Fürsters Schneider und ein Schuhmacher, Müller mit Naen; Und [Marias] Schneider [Kleespies]. Sie sind in der Nähe, und in Orange. Nächstes Jahr gehen wieder welche weg.

Baltiore d 18t Nofeb: 1837

Lieber Bruder!

Ich habe endlich diesen Klücklichen Wunsch erreicht jemand von meine Geschwistern be mir zu haben, ja es ist gewiß daß Fröhlichste was jemand begegnen kan, nach langen Jahren wieder ein Bruder zu sehen, Durch ein Landsman bekam ich die Nachricht daß Fritz in Neu Jork angekoen währe, ich schrib Natürlich so gleich an ihn, so schnell als möchlich zu mir zu koen, wo ich ihn den auch bald darauf an einem Sontag n an Dampfbohd empfing. Wärest Du jetzt noch hier, und Ludwig wird sich wie ich jetzt wieder mehr Hoffe, auch wieder finden so könten wier wieder vier und vier in Amerika gehen als wie vier ier zu Haus thaten, Lieber Bruder schon lange haben wier Nachrichten von einanter embären müssen, wie mir Fritz sagt so sind meine zwe letzte Brief verlohren gekangen, als wie auch deine letzte an mich nicht ankaen, es sind jetzt über zwe Jahren daß s daß ich keine Nachrichte von euch erhilt, was mich sehr oft Draurich machte, und dachte immer es währe eine grose Verenderung bey Euch vorgefallen, welches die Ursage währ, daß ich keine Nachricht erhilt. Lieber Bruder ich muß dich, jetzt einmahl mit meinen verhältnisen bekant machen, wo mit ich dich nur bekannt machen kan, und wünscht auch sehr daß es nur be Dir blib, es wird dich aber nicht erfreuen, und du wirst sagen das hätte ich nicht geglaubt, mir selbst währ es vor ein paar Jahren Unmöchlich vorgekoen, aber so schwag wen wier in eine Versugung koen, kanst du dich noch erinern wie ich von Deutschland Reiste, und du wie du mich Bekleidest ober Borgjoß hinaus, wie du mir sagst daß ich Villeicht in eine menge gelechenheit g koen würde, bekand //

Mit Mädchen zu werten, aber ich solte es ja nicht thun, und aber es ist leider doch geschehen, Du weist es jetzt schon, und wirst den Brief wechwerfen, aber lese nur erst weiter. Ich wahr in den zwe letzten Jahren in einem Hauß dahier, wo ich immer in einer grose Achtung stand, und mir ier so fiel Freundschaft auf alle möchliche art erzeicht wurde, als wie in meiner grose Krankheit, wo ich filleicht one diesers ihre hülfe nicht mehr währe, wo Eltern nicht mehr thun könten, wie ist es ein Wunter wen man sich be solchen Leuten gerne aufhält, aber daß war eben diese Gefahr, oft wolte ich die Stadt verlasen aber da waren immer so fiel hinternisen, ich schrib an Casbar Limpert er solte mir doch Nachricht geben ob im Land hir und da gut for mein Geschäft wäre, aber seine Antwort wahr, ich würde viel beser in einer Seh Stadt thun, und so blib ich also ier auf meine alt blaz, da mit du es nur theutlich weist, da wahr ein Mädchen welche in mich in Todt verlibt wahr, ob gleich ich keine Heim¬lichkeit von meinen Umstädten machte, man denkt sich die Gefahr auch ier noch nicht so schlim, bis es leiter zu spaht ist, o ich hätte verzweifellen mochen, und wuste mir lange kein Rath, ob ich alle meine Sache im Stich lasen solte, welches alles in ihren Hände wahr, und ein Mädchen in verzweiflung lasen, oder wenich¬stens an einer rechtlich hantlen, ich wälte das letzte, den es blib mir ier unbestimd ob s Sanne je koen wolte oder nicht, meine Briefe waren doch ier fol der dringensder Bitte daß sie koen solte, und wen Sie auch gar nichts mit hier her brächte, und wahr nicht die schönste Gelechenheit mit unsern Freund Limperts, ich Glaubte damals gewiß sie würde mit koen. aber ich solte Sie diese beschwerliche Reise selbst abhollen oder Reisegeld schicken, beides wahr mir unmöglich. Man stelt sich in Deutschland ier fohr als würde man hier doch fortkoen wenn man auch kein Geld hätte, welches aber grath daß gegentheil ist. //

In einer weit schliere Lage ist man hier, am Geld als in Deutsch¬land, besonders wie jetzt die zeit von einem Jahr ist, Verdinzte sein um vielles herrunter gekoen, und Lebensmitteln, und alles antere ist auf geschlagen, Du wirst Wuntern wen ich schreib daß es jetzt beinah ein Jahr ist daß ich kein Silbergeld in Händen hatte, nichts als wie Papier Geld ist im umlauf, und daß kan ein jeder Reiche man be nahe machen, wo Nathürlich ier der Are dabe verlieren mus, der und der Reiche hat sein Brofit dabe, den diese ist die Freiheit dabe am günstigsten. Ich Arbeite noch immer als Gesel und verdine 7 t Dolar die Woche dies und doch bleibt mir nicht fiel übrich, das komt euch sonder¬bar for, weil gewönntlich den grosen Verdinst geschriben wird aber nicht die Ausgaben. Wils Gott so mach ich und Fritz das nechste Frujar ins Land, wo wier sich ein Bläzchen aussuchen werden, wo wir ungestort Leben könen,. In Deuschland wird man jetzt schlecht von mir Urtheilen, ich habe wol Unrecht gehandelt, aber wen manches in dieser Gelecheit währe, so würde ein manches diesen Feller gemacht haben. Ich Hoffe Lieber Bruder du wirst mir vergeben, es ist nun nicht mehr zu entern, ich bin Geheirath und sie ist eine Liebe Frau, sie ist mir geworten was die Sanne mir je hätte werden könen, wier haben ein Kind sechs Monat alt und heist Ludwig„ ein sehr libes Buben. Schreibe uns recht bald, ich bin auf deine Strafbredich Gefast, am liebsten ist mirs wen du es verheimlichst, es thut mir sehr leit und die Sanne, noch licht sie mir im Her¬zen, ich kan nicht mehr schreiben ich bin kans verwirt. Lebe recht recht wohl und Grüße dich in Gedanken

Dein Aufrichtiger u. Treu Bruder

A: Reuter //

[Briefumschlag] An Karl Reuter auf dem Haer selbst zu öffnen

Stammbaum der Familie Reuter